Mutig sein ist mir zu anstrengend!
- simonemittermaier
- 24. März 2023
- 5 Min. Lesezeit
Mutig sein ist mir zu anstrengend und warum es sich trotzdem lohnt seine Komfortzone immer wieder mal zu verlassen.
Ich konnte es nie leiden, das Empfinden der Angst, wenn man etwas riskiert… Lampenfieber beispielsweise vor einem Event, angespannt und durchgeschwitzt vor Aufregung auf der Bühne stehend, Schlotterknie, tropfende Hände, finde ich bis heute schrecklich, aber ich tue es immer wieder. Warum? Weil es ein so erfüllendes schönes Gefühl ist zu bemerken, dass ich damit in Menschen etwas bewege oder wenn ich die Anerkennung spüre, Applaus bekomme, wenn ich sehe, dass die Braut gerade zu Tränen gerührt ist. Wer mag dieses erfüllende Gefühl denn nicht? Wenn man merkt, ich habe etwas zu geben.
Ich weiß sozusagen eigentlich, wie schön und erfüllend es sein kann mutig zu sein, jedoch dauerte es lange, bis ich dies bei anderen Dingen umsetzen konnte, weil ich von Natur aus eher ein Schisshase bin. (Muss grad lachen, da das Rechtschreibprogramm gerade Schafsnase draus machen möchte. Weiter im Text 😊)
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich in meinem Leben gefühlsmäßig so lange am Stück Achterbahn gefahren bin wie die letzten zwei Jahre. Ein Wechsel zwischen „oh mein Gott ich bin so glücklich und erfüllt“ und „oh mein Gott ich bin so aufgeregt, ich habe Angst, ich will zurück auf die Couch mit meiner Chipstüte und mein Leben lang nur netflixen“.
Als ich 2020 beschloss die Ausbildung zum spirituellen Berater bzw. Coach zu machen, war Corona gerade in vollem Gange, man war viel zu Hause, hatte viel Zeit zum Nachdenken, zum Sinnieren. In dieser Zeit wurde mir bewusst, dass ich zwar im Grunde genommen sehr zufrieden mit meinem Leben bin, aber irgendetwas fehlte.
In mir wurde der Ruf immer lauter, endlich mal das zu leben und die Sachen auszuprobieren und in mein Leben zu lassen, die ich schon immer faszinierend fand und die mich begeistern, ich mich aber nie getraut habe auszuleben, aus Angst was andere Menschen davon halten könnten.
Ich war sonst immer die Sängerin, das kann ich gut, das finden die Menschen toll, hier finde ich Bewunderung und Zuspruch, hier war und ist man stolz auf mich. Aber dem Thema, dem ich mich widmen wollte, der Spiritualität, begegnen viele Menschen mit Skepsis, Ablehnung, Spott…man erfährt Gegenwind. Ich mag keinen Gegenwind, ich mag keine Konflikte und auch keine Ablehnung, ich war immer lieber der Typ „rund“ anstatt der mit Ecken und Kanten. Deshalb war es sehr herausfordernd und für mich persönlich sehr mutig mich dazu zu entscheiden, die Ausbildung zum spirituellen Coach zu absolvieren. Für andere evtl. ein Klacks, für mich eine Überwindung.
Die Jahre davor war ich viel mit meiner Diagnose beschäftigt und dem Anpassen meines Lebensstils und der Erforschung meines persönlichen Weges, der mir, bezogen auf meine Erkrankung, „Heilung“ bringen könnte. (Heilung deshalb in Anführungsstrichen, weil es aus schulmedizinischer Sicht keine Heilung gibt. Will ich bis heute nicht glauben, da ich für mich andere Erfahrungen gemacht habe und immer noch mache.) Und auch hier war unter anderem die MS ein Grund dafür, warum ich die Ausbildung machen wollte. Ich wollte ein weiter Heilungs-Puzzlestück an der Hand haben. Ein Puzzlestück das Körper, Geist und Seele noch mehr ineinander verzahnt.
Ich begann die Ausbildung, es machte mir so viel Spaß, brachte mir so viele Erkenntnisse und Heilungsansätze und irgendwann kam der Punkt, an dem ich damit auch anderen helfen wollte. Ich kann mich noch ganz genau an meinen ersten Instagram Post 2021 erinnern, bei dem ich öffentlich preisgab, was ich denn da unter anderem so tue und ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen und war so nervös aus Angst, was man denn jetzt von mir halten würde, was man über mich reden könnte. „Nimmt man mich jetzt noch ernst? Werde ich in eine Schublade gesteckt? Sollte ich mich nicht so wichtig nehmen, wahrscheinlich interessierts eh keine Sau oder vielleicht doch?“ Es war anstrengend! Mutig sein ist mir zu anstrengend! Aber ich bekam, und damit hatte ich wirklich nicht gerechnet, nur Gutes zurück, Interesse, Neugierde, Angebote von Menschen, dass ich gerne mit ihnen üben darf. Ich erwartete gemeine Kommentare und Sticheleien, die ausblieben. Gut nicht immer, aber ich hatte es mir schlimmer vorgestellt.
Die Reaktionen waren für mich ein Geschenk, ein „Mutig-sein-Geschenk“ sozusagen. Von da an versuchte ich immer mehr einfach mal zu machen, ohne mir dabei das Gehirn jedes Mal zu „zerfieseln“. Eine Ausbildung zu machen ist nämlich das eine, es dann umzusetzen und damit zu arbeiten das andere. Ich bewunderte schon immer Menschen, die nicht einfach nur reden, sondern auch handeln, das Gesagte in die Tat umsetzen und sich nichts dabei denken.
Frei nach dem Zitat von Puplilius Syrus „Niemand weiß, was er kann, bevor er‘s versucht.“, ging ich immer weiter, einen Schritt nach dem anderen und probierte immer wieder Dinge bezogen auf das spirituelle Coaching aus, die mir Angst machten. Meditationen aufnehmen, um ein Beispiel zu nennen. War für mich komplettes Neuland, ich kam mir so blöd vor und ich habe mich so geschämt, hochdeutsch sprechend Sessions aufzunehmen. Ich bin es gewohnt zu singen, im besten Fall First Take und fertig. Hier saß ich drei Stunden, um ein Ergebnis zu erzielen, mit dem ich einigermaßen zufrieden war. Aber auch hier, mein nächsten „Mut-Geschenk“. Ich war danach super stolz auf mich und habe bisher nur positives Feedback zu meinen Sessions erhalten, dass sie Menschen unterstützen und helfen, sie meine Stimme sehr angenehm finden, sich geborgen fühlen. Das treibt mich weiter voran. Es gibt mir Selbstvertrauen, ich würde diese Erfahrung aber nie machen, wenn ich es nicht einfach tun würde. Ich bin auch vor jedem Coaching oder Trance Healing nervös, jedes Mal schwingt eine gewisse Angst mit evtl. nicht helfen zu können, nichts bewirken zu können. Trotzdem tue ich es, auch wenn es anstrengend ist, mutig zu sein und ich Angst habe.
Denn das Zitat stimmt! Wie soll man seine Potentiale herausfinden und leben wenn man immer nur das tut, was man schon immer gemacht hat, wenn man immer in seiner „Ich-wills-leicht-Welt“ bleiben möchte? Wo bleibt da das Wachstum, neue Möglichkeiten? Wie soll ich herausfinden, ob ich Menschen helfen kann, wenn ich es nicht jedes Mal wieder und wieder versuche?
Mutig sein kann anstrengend sein, aber es lohnt sich! Also sei mutig, mach dein Ding! Hab keine Angst vor dem Scheitern und wenn du feststellst, es hat sich nicht gelohnt mutig zu sein, dann hast du es wenigstens versucht, bist eine Erfahrung reicher, hast dich besser kennen gelernt. Wie langweilig wäre es tagein, tagaus in seinem Trott zu bleiben, ohne Herausforderungen, stehen zu bleiben? Außerdem scheitert man in meinen Augen nur dann, wenn man es nicht mal versucht hat. Und zum Abschluss noch ein schönes Zitat von Henry Ford „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist“.
Danke fürs Lesen!
Eure Simone
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